Über mich …
tja, was soll ich da schreiben …hmmh… , am besten erst mal
das Wesentliche:
weiblich, `Baujahr´1961 , alleinerziehende Mutter von zwei Kindern (eins weiblich, eins männlich) , solo, arbeite zur Zeit als Kommissioniererin im Versandhandel , erlernter Beruf: Einzelhandelskauffrau
Hobbys:
ich schreibe gern, lese gern, liebe Musik, spiele gerne Spider Solitaire und Aufbau-Simulationsspiele,
ansonsten:
… man kann mich nicht beschreiben, man muss mich erleben …
Autobiographisches
Archiv:
geschrieben anno 2006
Auf der Bühne
Der neue Tag war gerade erst angebrochen, als ich am 14. Mai 1961 das Licht der Welt erblickte. Meine Mutter behauptet standhaft, sie hätte mich erst dann herausgepresst, als sie sich sicher sein konnte, dass schon Sonntag war. Denn dies war ein besonderer Tag: Sie schenkte mir das Leben und ich – schenkte ihr mich, zum Muttertag.
Dennoch bin ich mir heute sicher, dass ich alleine es war, die meine Geburt auslöste: Neugierig geworden auf diesen wunderbaren Glockenklang, der um Mitternacht ertönte, den dreizehnten Mai verabschiedete und den vierzehnten willkommen hieß…
Wir sind eine musikalische Familie, aus der viele aktive Musiker hervorgegangen sind. Chorsänger ebenso wie Trompeter, Hornbläser, Flötisten, Schlagzeuger, einer meiner Onkel spielte Akkordeon und mein Opa, väterlicherseits, war jahrzehntelang begeistert als Dirigent eines Trommel- und Blasorchesters tätig. Die Liebe zur Musik wurde mir in die Wiege gelegt, da bin ich mir ganz sicher.
Schon in meiner Kindheit übten musikalische Klänge eine starke Faszination auf mich aus. Ungeduldig erwartete ich auf jeder Familienfeier den Moment, wenn das gemeinschaftliche Singen begann. Denn auf jedem Familienfest wurde zu fortgeschrittener Stunde gesungen: im einstimmigen Chor, mehrstimmig oder im Kanon. Eifrig summte ich dann immer die Melodien mit und versuchte, mir die Texte zu merken.
Mein erster „Gesangsauftritt“ fand in meiner Grundschulzeit statt, in einer Musikstunde im dritten Schuljahr.
Wir Schüler hatten als Hausaufgabe ein Lied einüben müssen und sollten es nun gemeinsam vortragen. Ich erinnere mich noch genau daran, dass ich bewusst sehr leise sang, denn damals war ich noch sehr schüchtern. Urplötzlich brach die Lehrerin mitten im Lied das Singen ab: „So geht das nicht“, meinte sie und schüttelte genervt den Kopf. Und pickte dann einen Schüler heraus, das Lied alleine vorzutragen. Mich! Den Tränen nahe senkte ich den Kopf, starrte verlegen auf meine bunt gemusterte Schulschürze und begann zu singen: „Still, still, still, weil´s Kindlein schlafen will…“. Nachdem der letzte meiner zaghaften Töne verklungen war, umgab mich eine erdrückende Stille. Ich wagte nicht, den Kopf zu heben. Dann begannen alle zu klatschen. Ich bedankte mich artig. Und kam so, zu meiner ersten „Bühnenerfahrung“.
Mutig geworden durch meinen kleinen Auftritt, meldete ich mich kurze Zeit später in unserem Kinderchor an. Und war furchtbar enttäuscht, als ich nicht zu den Sopranistinnen, sondern zu den Alt-Stimmen eingeteilt wurde. Im Nachhinein gesehen, bin ich heute dankbar für diese Ungnade, denn so wurde meine Vorliebe für warme, Moll tönende Klänge geweckt.
Dann kam das Jahr 1972. Es sollte zu einem Wegweiser in meinem Leben werden:
Das örtliche Mandolinen- und Gitarrenorchester suchte Nachwuchs für ihren Verein. Einige meiner Freundinnen waren völlig aus dem Häuschen: „Ich meld´ mich an“, riefen sie euphorisch. Ich konnte diese Begeisterung erst nicht teilen, denn mir lag mehr am Singen, als daran, ein Instrument zu erlernen. Bis mir der Gedanke kam, dass man ja zum Gitarrenspiel auch singen kann! Nun war ich auch euphorisch, so euphorisch, dass ich mit den Anderen am Anmeldetag zum Informationsgespräch ging, obwohl ich meine Eltern noch nicht gefragt hatte, ob ich mir eine Gitarre bestellen und dem Orchester beitreten durfte.
Die Versammlung war ernüchternd. Meine Finger wären noch zu kurz, um Gitarrengriffe ausführen zu können, sagte man mir. Ich war enttäuscht, hatte sofort Tränen in den Augen stehen. Aber Mandoline spielen, meinte man tröstend zu mir, das wäre möglich. Ob ich denn mal schnell nach Hause laufen wolle, um meine Eltern zu fragen, ob ich anstatt einer Gitarre eine Mandoline bestellen dürfe? „Mach ich“, nickte ich brav. Denn ich musste ja eh erst mal fragen, ob ich überhaupt ein Instrument haben durfte. Bevor ich mich auf den Weg machte, streifte ich dieses zierliche, gewölbte Etwas mit einem misstrauischen Blick: Die Mandoline gefiel mir nicht. Und ich gebe ehrlich zu, dass ich meine Eltern nur um dieses Instrument angefleht hatte, weil ich, so wie meine Freundinnen, dem Orchester beitreten wollte. Dass dieses fremdländisch aussehende Ding zu einem Meilenstein in meiner persönlichen Entwicklung werden würde, habe ich damals nicht geahnt.
Einmal in der Woche musste ich zu einer Lehrstunde und täglich mindestens fünfzehn Minuten üben. Und die Ermahnung meiner Eltern – dass sich meine Mandoline nicht, für immer stumm, zum Blashorn meines Bruders, neben unseren Wohnzimmerschrank, gesellen dürfe – spornte mich an, mein tägliches Übungspensum auf mindestens eine Stunde zu erhöhen.
Doch die erste Zeit war hart. Der erste praktische Unterricht mit meiner neuen „Spielgefährtin“ endete mit einem Krampf im rechten Handgelenk. Tja, tremolieren will erst einmal gelernt sein! Die ersten Griffübungen der linken Hand sollten dann meiner Gespielin mehr als nur die Leertöne G, D, A und E entlocken. Dass faszinierende Klänge aber auch einhergingen mit feuerrot brennenden Fingerkuppen, hatte mir vorher niemand gesagt. Anstatt fröhlich herum zu hüpfen, quälten sich meine schmerzenden Finger mühselig über das Griffbrett und brachten anstelle von wunderbaren Tönen nur jämmerlich krächzende Klagelaute hervor. Und die unabdingbaren Folgen meiner abendlichen Übungen folgten auf dem Fuß: Mein Bruder knallte verzweifelt sämtliche Türen zu und stöhnte laut, wie er sich denn bei dieser „Katzenmusik“ auf seine Prüfung vorbereiten solle, meine Mutter sorgte beschwichtigend für „Lärmausgleich“, indem sie abwechselnd die Spülmaschine klappern und die Waschmaschine dröhnen ließ – woraufhin mein Vater sich missmutig dazu genötigt fühlte, den Fernseher auf höchste Lautstärke zu schalten. Aber all das prallte an mir ab und war mir so egal, wie einem Felsen in der Brandung, der die Angriffe der schäumenden Gischt unbeeindruckt über sich ergehen lässt und sich nicht von der Stelle bewegt. In meinen elf Lebensjahren hatte ich noch nie vorher einen so starken Willen in mir verspürt, ein Ziel erreichen zu wollen. Trotz geschundener Fingerkuppen und schmerzendem Handgelenk übte ich Tag für Tag mit einer so eisernen Beharrlichkeit, die mich erstaunte, überraschte, mir völlig neu war.
Und als mir dann einige Monate später unterm häuslichen Tannenbaum ein lieblich tremoliertes „Stille Nacht, Heilige Nacht“ gelang – rang sich sogar mein Bruder ein anerkennendes Lächeln ab. Und die Welt, war wieder in Ordnung.
Der erste Bühnenauftritt fand mit dem gesamten Orchester auf einer Freilichtbühne statt. Und war für uns Neulinge ein einziges Fiasko.
Unsere aufgeregten Hände schwitzten so stark, dass die Finger von den Stegen rutschten und anstatt schöner Melodien nur schiefe Töne hervorbrachten. Als mir mein Pik aus der rechten Hand fiel und ich es auf dem Bühnenboden suchen musste, um weiterspielen zu können, wäre ich am Liebsten vor Scham in den Brettern der Bühne verschwunden. Zudem segelten durch aufkommenden Wind immer wieder unsere Notenblätter zu Boden, eine von uns musste sogar während dem Auftritt aufstehen, um ihr Blatt wieder einzufangen. Jetzt konnten wir uns auch die Ansammlung von Wäscheklammern an den Notenständern der anderen Mitspieler erklären. Unsere Fragen diesbezüglich waren uns vor dem Auftritt lediglich mit einem geheimnisvollen Schmunzeln beantwortet worden.
Als unser Dirigent uns anschließend vor der begeisterten Menge für unser Bühnendebüt lobte, mussten wir Neulinge aufstehen und uns vor den Zuhörern verneigen. Mein Gott, war das peinlich! Und dann, kamen unsere Orchesterkollegen auf uns zu, klopften kameradschaftlich auf unseren Schultern herum und gratulierten uns – zur bestandenen Feuertaufe. Von nun an, gehörten wir dazu.
Diese wundervollen Jahre prägten nachhaltig mein Leben. Sie bereicherten nicht nur kreativ meine Jugend, sondern brachten auch viele Freundschaften hervor, die immer ein fester, nicht wegzudenkender Bestandteil meines Lebens waren und es auch heute noch sind. Meine Musikantenjahre prägten meinen Sinn für Gemeinsamkeit, Fairness, lehrten mich gemeinsam Freude zu empfinden ebenso, wie gemeinsames Leid. Machten mich einfühlsam für meine Mitmenschen und zeigten mir den Weg, zu mir.
Auch später, als Erwachsene, spielte die Musik weiterhin eine Rolle in meinem Leben. Ob es Auftritte auf der Karnevalsbühne waren, einige Jahre im dörflichen Kirchenchor, oder nur geselliges „Thekensingen“.
Doch nicht nur in geselliger Hinsicht war, und ist, die Musik ein fester Bestandteil meines Lebens. Sie ist für mich ebenso eine stets präsente Quelle der Kraft. Musik hören füllt meinen Energietank schnellstens wieder auf, wenn mir die innere Kraft zu versagen droht. Und immer wieder waren es musikalische Klänge, die mich aus seelischen Tiefs herauszogen und mich wieder auf die Beine stellten.Bleibt mir nur noch, Danke, zu sagen. Danke, an die Musik: Ich bin froh, dass es dich gibt. Du warst und bist mir stets ein einfühlsamer, bestärkender Gefährte. Ein treuer Begleiter auf der Bühne – meines Lebens.
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geschrieben im November 2008
Der Trotzkopf
Es war an einem Sonntag im Winter. Ich war zwölf Jahre alt. Damals verfügte noch nicht jedes Haus in unserem Dorf über einen Telefonanschluss. Genau genommen gab es nur zwei Telefone im ganzen Dorf und eines davon hatten wir. Sehr zu meinem Leidwesen. Denn immer wieder musste ich zu irgendwelchen Leuten im Dorf laufen, um sie an unser Telefon zu holen, weil jemand für sie angerufen hatte und auf Antwort wartete. So war es auch an diesem bewussten Sonntag.
Ich sollte ins Haus nebenan gehen, um meinem Onkel Bescheid zu sagen, dass für ihn ein Anruf eingegangen war. Ich hatte aber keine Lust in die Kälte raus zu gehen, wollte lieber in meinem Zimmer bleiben und weiter Schallplatten hören und Poster aufhängen. Doch mein bockiges „Nein, ich geh nicht!“ – Gebrüll und auch die wütenden Trotztränen beeindruckten meine Eltern kein bisschen. Ich musste mich ins Unvermeidliche fügen.
Doch so leicht gab ich mich nicht geschlagen…
Um die an mir verübte Ungerechtigkeit zu demonstrieren – zog ich meine gelb-roten Hochplateau-Sommerschuhe an und weigerte mich, eine Winterjacke überzuziehen… Und wenn ich mich nun erkälten oder mit meinen Sommerschuhen auf dem Schnee ausrutschen würde, dann wären das meine Eltern schuld, weil die mich bei dem eisigen Wetter raus schickten. Jawohl… – Und schwupps, war ich raus aus dem Haus, ehe mich jemand zurückhalten konnte.
Die besorgten „Du wirst doch wohl so nicht raus gehen?“ – Rufe nahmen meine Ohren mit Genugtuung auf. Und das Gefühl des Triumphes wärmte mich auf meinem Weg, so dass ich die Winterjacke tatsächlich nicht vermisste. `Eine gelungene Darbietung, ein super Abgang, Wally, das war bühnenreif´, applaudierte es in mir. Ich war stolz auf mich. Tja .. und so kam es, wie es kommen musste…ich hatte es ja förmlich `herbeigerufen´…
Kaum auf der Straße angekommen, knickte ich im dicken Schnee weg und fiel hin. Blieb einen Moment liegen, überlegte, ob ich diese Situation für einen zusätzlichen `Dramenakt´ nutzen sollte, um so die Ungerechtigkeit meiner Eltern noch stärker hervorzuheben. Aber weil mir auf einmal kalt wurde, entschied ich mich dafür, lieber schnell aufzustehen und meinen Auftrag hinter mich zu bringen. Also stand ich auf.
Und fiel sofort wieder hin, auf meinen Allerwertesten. Aua!
Drei weitere Aufsteh-Versuche endeten ebenso mit dem Po im Schnee. Ich verfluchte mich insgeheim, dass ich so kindisch trotzig gewesen war, mit meinen Sommerschuhen in den Schnee hinaus zu gehen. Langsam wurde ich wütend. Weil ich mir so albern vorkam. Hoffentlich sah mir keiner zu. Voll peinlich, dass ich immer wieder in den Schnee fiel… Und seltsam, dass mein linker Fuß auf einmal mit den Zehen nach rechts zeigte…
Und dann ging alles sehr schnell. Ich erlebte es, als wäre es ein Traum, der im Zeitraffer ablief:
Die Nachbarin von gegenüber kam aus ihrem Haus gelaufen, rief irgendwas zu mir, lief dann zum Haus meines Onkels, der kam eilig angerannt, hievte mich auf seine kräftigen Arme, ächzte dabei schwer – was kein Wunder war, bei meinem Moppel-Gewicht – legte mich bei uns zu Hause in einem Sessel ab mit den Worten: „Ich glaub, die hat den Fuß kaputt“ und erledigte dann, wo er schon mal hier war, auch sein Telefongespräch.
Von dem was danach passierte, weiß ich nicht mehr viel. Nur noch, dass meine Mutter den Arzt im Krankenhaus zu belehren versuchte, dass mein Fuß ganz bestimmt nicht gebrochen, sondern wahrscheinlich nur stark verstaucht wäre, woraufhin der Arzt sich genötigt fühlte, seine Berufsehre vehement zu verteidigen und mehrfach, immer lauter werdend darauf beharrte, dass der Fuß ganz klar gebrochen wäre, sogar schwierig gebrochen, er müsse operiert werden.
Mir war, als würde ich einem erbitterten Hahnenkampf zusehen. Irgendwann war der Kampf ausgefochten. Der Arzt hatte gewonnen. Meine Mutter weinte. Ich weinte auch, obwohl ich nicht so recht wusste, warum. Das wurde mir erst klar, als ich auf dem OP Tisch lag und vor Angst zitterte, Angst vor der Operation, Angst vor wochenlangem Krankenhausaufenthalt, Angst, vielleicht an Weihnachten nicht zu Hause zu sein.
Nach drei Wochen Liegegips wurde mir vom Oberschenkel an bis zu den Zehen ein Gehgips angepasst. Damit durfte ich endlich wieder nach Hause, kurz vor Weihnachten.
Im Januar hieß es in der Zeitung, es wäre der „Winter der gefallenen Mädchen“, denn ungewöhnlich viele Frauen und Mädchen hätten in diesem Winter Bein- Fuß oder Armbrüche erlitten.
… So wurde ich zu einem `gefallenen Mädchen´… und nicht nur auf meinen gebrochenen Fuß bezogen. Denn durch dieses Erlebnis war auch die Trotzmauer in mir gefallen, der kindische Trotz endgültig gebrochen. Zum Glück. Denn dadurch wurde ich vermutlich vor weiteren unsinnigen Handlungen bewahrt. Wer weiß, was mir sonst noch so alles passiert wäre…
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Niemals geht man so ganz, heißt es. Stimmt. Denn der Trotzkopf in mir hatte sich nicht einfach in Luft aufgelöst, wie ich mittlerweile weiß. Er hat nur geschlafen und sich später eine neue Bleibe gesucht. Treibt jetzt im Kopf meiner Tochter ihr Unwesen. Manchmal. … Besser, ich entferne ihre Sommerschuhe aus dem Schuhschrank und verstecke sie im Keller, bis der Winter rum ist. Man weiß ja nie…
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